Montag, 14. November 2011

Rapante in action - German Ravelry Meeting 2011 in Frechen oder auch was vom Tage übrig blieb

Ja, das Ravelry Meeting in Frechen - was blieb übrig? Die erste Idee, die ich davon hatte, war ein Stricktreffen in Groß mit ein paar Workshopangeboten und ein paar Möglichkeiten (aber nicht zu viele) zum Wollekauf. Dass man mal die Leute, die man sonst nur virtuell kennt, mal im RL sieht. So hatte ich den Eindruck von dieser Bloggerin Die Farbe Ev, diesem Blogger Menknit oder auch von dieser Bloggerin Klabauterwolle. Aber das war nur mein Eindruck.

Mein Eindruck am Eingang sitzend war auch grundsätzlich große Zufriedenheit. Viele strahlende und fröhliche Gesichter zogen zwei Tage an mir vorbei, manche bedankte sich auch extra nochmals bei uns für die gelungene Veranstaltung.

Klar, wir sind alle Menschen und machen auch Fehler, kommt vor, kann passieren. Es ist mit Sicherheit nicht alles perfekt gewesen, aber wer will denn das schon?

Dass die Betonköpfe der Stadtverwaltung partout von ihrer 1000jährigen Bestuhlung nicht abweichen wollten, konnte die Organisatorin nicht ahnen, dass ihr Mann kurz vor dem Meeting noch schwer krank wurde, tja, da war meine Kristallkugel leider kaputt. Sie war auch ebenso kaputt, als kurzfristig zwei Händler absprangen, um ein eigenes Ding aufzuziehen (warum immer diese Stutenbissigkeit, teilen wir nicht alle ein Hobby?). Und noch so manche andere Dinge konnte mir meine Kristallkugel leider nicht zeigen, weil wegen out of function. Jaaa, ich wünsche mir zu Weihnachten eine neue.

Gut, sonntagmorgen ist der Saal noch recht leer, aber wird sich bald füllen. Wer gute Augen hat, wird erkennen, dass auf den Tischen von mir und meinen Mitstreiterinnen liebevoll die Tütchen mit den Maschenmarkierern und Schlüsselanhängersöckchen verteilt wurden (es gibt Leute, die behaupten, sie wüssten besser, was ich getan habe als ich selbst):


Was meine Mitstreiterinnen und ich allen, die es geschafft haben, uns eine Frage zu stellen, empfohlen haben, war die Empore, von der man einen tollen Blick über das Geschehen hatte - und auch hier sieht man deutlich die verteilten Tütchen (ich möchte drauf hinweisen):


Unübersehbar im Foyer, aber spätestens beim Toilettengang deutlich zu erkennen, stand der Yarnpool. Jede, die es interessierte, erklärten wir, was es damit auf sich hatte. Das Garn war zur Verlosung gedacht, die Verlosung fand jeweils Samstag und Sonntag statt und jedes Mal konnte ich die Verkündigung der Gewinnerinnen noch deutlich an der Eingangstür hören - und ich bin nicht für ein gutes Gehör bekannt:


Alles in allem fuhr ich mit einem guten Gefühl am Sonntag nach Hause und wurde eines Besseren belehrt. Ich habe zwei Theorien aufgestellt, wie das wohl möglich sein kann.

Entweder, die zufriedene Masse ist auch die schweigende Masse, die sich nicht damit aufhält, Kackvögel mal in die Schranken zu weisen. In diesem Falle würde ich mir so manches Mal den vom Brionikanzler seinerzeit heraufbeschworenen "Aufstand der Anständigen" mal echt wünschen. 

Oder es ist ein typisch deutsches Phänomen, wie es auch meine Freundin die Lehrerin mir beschrieb: Die Schüler sind bis zum Verlassen des Bus noch zufrieden und glücklich mit ihrer Klassenfahrt, aber anschließend geht das Gemaule los. Da stellt sich mir wie so oft die Frage, warum man Unstimmigkeiten nicht direkt klärt. Aber auch das erlebe ich tagtäglich in meiner Arbeit. Der unzufriedene Urlauber schafft selten mal den Weg zum Reiseleiter, nein, der macht lieber die halbe Verwandtschaft in Deutschland jeck einschließlich Reisebüro, die dann den Veranstalter in Deutschland nerven. Ein Gang zum Reiseleiter könnte so manches Problem direkt und unkompliziert lösen. Ist aber scheins zu einfach. 

Back to topic: Zurück in der eigenen Wohnung musste ich mit Erstaunen feststellen, dass viele Leute noch niiiieeee (wie sie selbst betonten) auf einem Ravelry Meeting gewesen waren, aber alle gaaaanz genau wussten, wie das denn abzulaufen hat (frage mich bitte keiner, wie das geht, wahrscheinlich funktionierten die Kristallkugeln bei diesen Damen besser). 

Als erstes erstaunte mich das Grüppchen Spinnerinnen, die mir sonntagnachmittag gegen kurz nach 17 Uhr gemütlich aus der Halle schlendernd am Catering-Metzger begegnete, dort noch gemütlich etwas zu sich nahm und nach Hause fuhr, um sich kurze Zeit später aufzuregen, sie wären 2 Stunden (offizielles Ende war 18 Uhr) vor offiziellem Ende aus der Halle geworfen worden. Hm, wie geht das? Und vor allem wurde sich lautstark über den Metzger ausgelassen, das Essen sei ja sooo schlecht gewesen - jo schlecht genug, dass man alle zwei Stunden draussen war und sich durch das Sortiment gegessen hat. Und vor allem auch noch draussen Kaffee holen? Gibbet keinen Kaffeeservice?

Dann gab es die Klagen, für 18 Uhr Eintritt gab es nur einen Stuhl, ein Stück Tisch, ein Dach über dem Kopf und ein sauberes Klo (kleiner Trost: Das bekommst du nächstes Jahr alles für 15 Euro). Manche Leute müssen wohl ziemlich taub, stumm, blind, im Delirium und an den Stuhl angetackert zwei Tage lang gesessen haben, denn die haben NIX mitbekommen. Es war nie jemand da, der Fragen beantworten konnte (da sassen drei am Eingang, war aber Geheimtipp, also pssssttttt!!!), es gab keinen Yarnpool (siehe oben), es gab keine Verlosung (ich hörte sie wie bereits erwähnt). Und dabei sass man direkt vor der Bühne. Hm, war da vielleicht auch jemand auf der falschen Veranstaltung (Ball der für alles zu schüchtern/dämlich/faul/sonstwas Seienden)???

Es gab zwar auch welche, die ihre Zufriedenheit äusserten, leider wurden und werden nach wie vor diese von den Kackvögeln gnadenlos niedergeschrieen. Es gab wüste Behauptungen, dass die Schlüsselanhängersöckchen im Laden verkauft worden wären - die Fotos oben zeigen das Gegenteil - im übrigen dazu Danke an die Vernünftige, die anführte, dass man sich daran wohl kaum bereichern könnte. Es lebe der gesunde Menschenverstand. Wie schon erwähnt, wir machen alle Fehler, es ist mit Sicherheit nicht alles perfekt gelaufen, aber bitteschön: Muss man denn als Veranstalter ALLES für die Teilnehmer übernehmen? 

Bei manchen hatte ich den Eindruck, sie wären gerne den ganzen Tag ans Händchen genommen worden, überall hingeführt, alles erklärt, zur Toilette geleitet, ans Atmen erinnert, zu Gesprächspartnern geführt worden, inklusive Essen vorkauen und vorverdauen. Sorry, der Nannyservice hatte an dem Wochenende leider Gewerkschaftspause. 
Ich frage mich in diesem Zusammenhang, warum man (Definition für "man" nach Konrad Duden siehe hier: Duden) nicht ein wenig Eigenintiative von allen Beteiligten erwarten kann. Ein wenig umsehen, man sieht sogar ein mit Wolle gefülltes Gummiboot, man sieht drei Hilfsbereite am Eingang sitzen, ein Organisatorin durch die Halle wetzen, oder auch einfach mal viiiiiiele andere Mitstrickerinnen, mit denen man eigentlich leicht ins Gespräch kommen könnte - wenn man/frau wollte.

Schade, dass sich ein positiver Eindruck und ein gutes Gefühl durch eine Handvoll Kackvögel so trüben kann. Bemerkenswert finde ich in diesem Zusammenhang, dass es keine dieser Vögel mal wagt, selbst ein Meeting auf die Beine zu stellen - und dabei tönen sie groß in ihren Blogs, sie könnten es auf jeden Falle besser. Nur zu: Ab 2014 sind noch Vakanzen frei, fühlt euch frei, mal euer groß angekündigtes Können unter Beweis zu stellen. 

Es ist schade um die ganzen positiven Begegnungen, die tollen Strickprojekte, die an uns vorbeiflanierten, die sympatischen Aussteller (Wollmobil, Wolllust, Herr Paulitz, Wollsinn oder auch Bernd von Lanatura). Die Gedankenlosigkeit mancher Menschen kennt einfach keine Grenzen, denn das macht vieles kaputt. Sei es schöne Treffen, gute Ideen, Kurse u. ä. Die Aufzählung ist beliebig erweiterbar. 

Leider ist dabei nämlich meine Idee völlig untergegangen, den Mantel vom Jeck im Rän für einen guten Zweck zu versteigern. Nicht nur, dass keine auf unseren Aufruf, sich beim Guerilla Knitting zu beteiligen, nachgekommen ist, nein, die Gefahr, dass 

a) keiner mitbietet 
b) mir unterstellt wird, dass ich mir das Geld einstecke

viel zu hoch ist. In letzterem Falle sollten sich diejenigen schon mal einen guten Rechtsbeistand suchen. Aber braucht ihr nicht, ich lasse es schlicht und ergreifend. Das Mäntelchen wandert wieder in meine Wollkammer, bis mir was Besseres dafür einfällt (aber garantiert wird es für kein Ravelry Meeting mehr zur Verfügung gestellt):


In diesem Zusammenhang fällt mir dann mal wieder auf, wie sehr ich diese Stutenbissigkeit verabschäue. Manchmal beschleicht mich der Eindruck, es geht gar nicht darum, die Freude an einem gemeinsamen Hobby zu teilen, es geht nur darum, die anderen mit dem Teuersten/Tollsten/Chicsten/Sonstwas auszustechen und einfach nur von anderen was erwarten, aber bitteschön nicht die Hälfte des Weges einmal beschreiten wollen. Es sind mit Sicherheit nicht alle so (wird hier in keinster Weise behauptet), aber leider treten halt diese Kackvögel immer am lautesten zu tage und übertönen alles andere. 

Einziger Trost bleibt mir, dass in einem Jahr diese Kackvögel schon wieder alles vergessen haben und die nächste Veranstaltung zerreissen - denn niemand ist perfekt und auch dort wird es Ecken und Kanten geben. Ich werde mir diese sehr entspannt ansehen und demonstrativ sitzen bleiben, wenn alle zwei Stunden aufgefordert wird, die Sitzordnung (herrje) zu verändern, damit es auch den zu schüchtern/dämlich/faul/sonstwas Seienden auch auffällt, dass noch andere im Saal sitzen. 

Egal, wie man es macht, man macht es nie richtig. Irgendeiner schreit immer. Schade, dass die Mühen anderer immer so mit Undank abgestraft werden. Und da wundert man sich, dass es immer weniger engagierte Menschen gibt?

An dieser Stelle möchte ich mich hochoffizielle bei denjenigen entschuldigen, denen ich das jährliche Ravelry Meeting in Backnang weggenommen habe. Ja, ich habe die heilige Kuh geschlachtet, weil ich eigentlich dachte, es wäre eine gute Idee, dieses Treffen wandern zu lassen, damit mal jede die Möglichkeit hat, zu einem Treffen zu kommen. Hätte ich gewusst, dass wir es mit so vielen unselbständigen und undankbaren Kackvögeln zu tun bekommen, ich hätte es sein gelassen. Und hätte irgendwann mal meine Mäuse zusammengekratzt, um nach Backnang zu fahren. Tja, ich brauche doch eine neue Kristallkugel. 

Trotzdem danke ich auch allen, die zufrieden waren und positive Begegnungen beschert haben. Ohne euch sind diese Treffen inhaltsleer. Denn das ist doch eigentlich der Sinn des Ganzen: Einander treffen, austauschen, stricken, ein wenig Wolle kaufen ... 

Schauen wir den nächsten Events entgegen, wir werden sehen. 

Oh, natürlich habe auch ich die Einkaufsgelegenheit genutzt und Wolle gekauft - ich habe ja noch nicht genug *flöt*:

Und dann war da noch das Dankeschön, das ich für meine Arbeit an beiden Tagen bekommen habe (und auch das wurde den Helfern missgönnt):

Ich weiss ja, dass man als ehrenamtlicher Helfer nichts annehmen darf, aber mir hat man beigebracht, dass es sich gehört, sich zumindest bei Helfern zu bedanken. Es kann keiner erwarten, dass Helfer alles umsonst machen. Ansonsten sollte man die Helfer und Kursleiter mit einem Entgelt entlohnen, was sich logischerweise auf die Eintrittspreise auswirkt. 

Man möge Verständnis für meine harten Worte und Formulierungen aufbringen (dazu nur dies hier Art. 5 GG), aber teilweise hat mich das, was ich an Lügen und Mutmassungen sowie Forderungen in den letzten Wochen gelesen habe, nur noch wütend gemacht. Und irgendwann muss diese Wut auch raus. Sie ist jetzt raus, und für mich das Thema durch. Mögen es andere besser machen.